Segelbericht Balearen 2015

 

Bericht über unseren Segeltörn Mallorca-Ibiza-Formentera 2015

 

vom 05. bis 19. September 2015

 

 

Ausgangshafen:    Porto Colom Mallorca

 

Segelyacht:          Katamaran Lagoon 440, Baujahr 2007, mit dem Namen “ISIS“

 

Vercharterer:        SoLong Yachting / North Sardinia Sail

 

Die Crew:             Günter (Skipper), Ramon (Co-Skipper), Astrid, Dagmar, Mahnaz,   

                           Lothar, Rainer und Daniela ; fast alle mit Segelerfahrung.

 

Törnverlauf:          Porto Colom, Cabrera, Ibiza: Cala San Vincente, Cala Longa 

                            Formentera-Playa Espalmador, Ibiza: Sant Antoni, Portinatx,

                            Mallorca: Sant Elm / Port Andraitx, Porto Pedro und zurück nach

                            Porto Colom

 

                                                     

 

Vier Tage vor unserem Abflug bekamen wir Post vom Insolvenzverwalter. Hier stellte sich heraus, dass die Firma SoLong Yachting Insolvenz angemeldet hatte und wir nur durch eine Doppelzahlung der Restzahlung (50%), das Schiff  übernehmen könnten. Nach dem alle Crewmitglieder zugestimmt hatten, haben wir die Reise mit gemischten Gefühlen angetreten.

 

 

 

1. Tag:   Kurzer Flug von Düsseldorf / Köln-Bonn nach Mallorca.

 

         Der Flug von Düsseldorf nach Mallorca war pünktlich, jedoch die Köln-Bonner Crewmitglieder hatten 1,5 Stunden Verspätung. Der Taxitransfer zur Marina Porto Colom verlief mit dem bestellten Kleinbus problemlos und wir sind gegen Mittag in der Marina Porto Colom angekommen und suchten vergeblich unsere gecharterte Yacht “Hot Wind“. Diese war leider nicht auffindbar! Im Marina Büro wollten wir den Sachverhalt klären. Der Chartermitarbeiter vor Ort erklärte uns, dass die Yacht bereits im September 2014 verkauft wurde. Im weiteren Verlauf unseres Gespräches wurde der Chartermitarbeiter zunehmend unfreundlicher, so dass wir das weitere Gespräch mit seiner Frau fortführten. Als Ersatz hatte der Vercharterer die gleiche Yacht, nur ein Jahr älter, vor Ort. Auf das  bestellte Permit für Cabrera angesprochen, war von einer Bestellung in der Marina nichts bekannt und eine Buchung für den nächsten Tag nicht möglich, da sämtliche Bojen in Cabrera ausgebucht waren. Obwohl uns das vom Vercharterer - vor der Reise - bestätigt wurde. So haben wir uns für eine Reservierung für den übernächsten Tag entschieden. Ein Teil der Crew erledigte mittlerweile den Einkauf im ca. 800 m entfernten Supermarkt. Die Yacht stand erst ab 16 Uhr zur Übernahme bereit. Bei der Übergabe sprang der Steuerbordmotor nicht an, die Bilge stand bis oben hin voll Wasser, so dass wir erst einmal ca. 500 Liter Wasser abpumpen mussten. Die Sicherung der Bilgepumpe sprang nach einer Minute Laufzeit raus, so dass der Abpumpvorgang längere Zeit in Anspruch nahm. Angesprochen auf den Dieselgestank in der Steuerbord-Heckkabine wurde uns gesagt, dass erst vor kurzem eine Reparatur ausgeführt wurde und das sich das nach kurzer Zeit legen würde. Die Steuerbordtoilette roch etwas streng nach Fäkalien. Hier stellte sich am nächsten Tag heraus, dass der Fäkalientank bis an den Rand gefüllt war und bereits hinter der Verkleidung überlief. Der Kühlschrank im Salon funktionierte ebenso wenig wie der Frischwassermacher und der Warmwasser-Boiler. Beide Badeleitern waren nicht mehr vorhanden und wurden durch eine Strickleiter ersetzt.

               

 

2. Tag:   Nach dem Frühstück wurde der Supermarkt Mercadona zur Vervollständigung  

        unserer Vorräte noch einmal aufgesucht. Gegen Mittag legten wir in Richtung Playa des Carbó ab. Auf Höhe des Leuchtturms von Porto Colom ging es mit guten nördlichen Winden (4-5 Bft) und unter Segeln in Richtung Süden. Unterwegs führten wir noch ein Sicherheitstraining durch. Die Mängel an der Yacht hörten am zweiten Tag leider auch nicht auf. Die Logge hängte und um den permanenten Fäkaliengestank los zu  werden, reinigten wir erst einmal den übergelaufenen Fäkalientank und den verstopften Abfluß in der Steuerbordtoilette. Nach ca. 15 sm Fahrt legten wir den Anker, in der vor Nordwind geschützten türkisfarbenen Bucht von Es Carbó  aus und verbrachten eine ruhige Nacht.

 

 

 

3. Tag:   Heute geht es unter Segel mit 3 Bft zur Naturschutzinsel Cabrera. Da wir

        ziemlich früh am Leuchtturm Horadada ankamen, entschlossen wir uns noch für eine Inselrundfahrt und segelten bis zur Ile Imperial. Von hier fuhren wir unter Motor in die Bucht von Cabrera ein und legten in der Nähe des Anlegers an einer roten Boje an. Von hier aus fährt man mit dem Dinghi auf kürzesten Weg an Land. Eine Tapas Bar mit kleinen Snaks ist direkt neben dem Anleger, in der ehemaligen Militärkantine, vorhanden. Nun geht es zu Fuß zur Festung auf dem höchsten Punkt der Insel und wir genießen den Ausblick auf die malerische Bucht von Cabrera. Die hier ansässigen Gecko´s sind handzahm und fressen sogar aus der Hand. Ein Teil der Crew fuhr anschließend mit dem Dinghi noch zur blauen Grotte. Die blaue Grotte, ähnlich wie auf Capri, erscheint bei richtiger Sonneneinstrahlung in hellstem Türkis und kann mit dem eigenen Dinghi befahren werden. Am Abend kam der Revieraufseher zu uns an die Yacht und sagte, dass wir hier nicht über Nacht liegen dürften, da die Bojen auf der Backbordseite nur für die Tageslieger bestimmt sind. Also legten wir unsere Yacht noch einmal um. Und das Liegen an der Boje (ohne Strom und Wasser) hatte einen stolzen Preis von 109 Euro für die Nacht.

 

 

4. Tag:  Da uns ein großer Schlag von über 50 sm nach Ibiza bevorstand, war heute früh um   6 Uhr Wecken angesagt. Wir legten kurz vor Sonnenaufgang von der Boje ab und machten uns auf den Weg nach Ibiza. Nach einer Viertelstunde wird der Wind so schwach, dass wir mit Motorunterstützung weiter fahren. Auf halben Weg fing der Steuerbordmotor an zu kotzen und versetzte uns etwas in Unruhe. Der Motor beruhigte sich jedoch nach 10 Minuten wieder. Am späten Nachmittag erreichten wir die Bucht von Cala San Vincente und gingen hier vor Anker. Die vom Marinapersonal in Porto Colom angebrachte Strickleiter zum Baden erwies sich jedoch als schlechter Ersatz für die nicht mehr vorhandenen Badeleitern. Das wieder an Bord kommen über eine Strickleiter ist gar nicht so einfach. In einem der nahe gelegenen Restaurants verbrachten wir einen gemütlichen Abend bei Sangria und einem guten spanischen Essen.

 

 

5. Tag:   Nach dem Frühstück brechen wir um 11 Uhr auf zur Cala Llonga. Die Cala Llonga ist eine schmale, langgezogene und gut geschützte Bucht. Auf dem Weg dorthin ging unser Wasservorrat zu Ende und wir machten einen Zwischenstopp in der Marina “Santa Eulalia“. Hier gibt es zwar keine Liegeplätze (300 € /Nacht) aber es gab 900    Liter Frischwasser für unseren Tank. So machten wir uns weiter auf den Weg zur Cala Llonga. In der Bucht gingen wir vor Anker. Bis 18:30 Uhr ist es hier, durch die mit Volldampf hereinrasenden Personenfähren, sehr unruhig. Am Ende der Bucht befindet sich ein netter kleiner Ort zum Bummeln.

 

 

6. Tag:  Heute ist die Stadtbesichtigung von Ibiza Stadt angesagt. Hierzu fahren wir mit der Personenfähre (pro Person Hin- und Rückfahrt 19 €) bei ordentlichem Seegang direkt an den Anleger in der Altstadt. Von hier aus geht es nach einem Altstadtbummel zur Zitadelle auf den Berg hinauf. Der Aufstieg wird auch mit einem hervorragenden Panorama belohnt. Mit der letzten Fähre fahren wir zurück zur Cala Llonga. Nachts frischt der Wind auf und dreht nach Tagen auf östliche Richtung und die Nacht wird etwas unruhiger, da der Wind in die Bucht bläst.

 

 

7. Tag:   Am Morgen geht es weiter nach “Formentera“. Wir kommen an Ibiza Stadt vorbei und sind froh, dass wir nicht in der großen, ungeschützten Bucht vor Ibiza Stadt festgemacht haben. Hier hätten wir absolut unruhig gelegen. Auf dem Weg nach Formentera hat sich die selbst gebastelte Strickleiter gelöst und wurde nie mehr gesehen. Gegen Mittag waren wir in Formentera angekommen und machten eine Besichtigungsfahrt zwischen den Luxusyachten bis zur Bucht “ Ens del Capito“.  In der türkisfarbenen Bucht “Playa de Espalmador“ legten wir an einer zugewiesenen Boje (29 € / Nacht) an. Hier gibt es ein pures Badevergnügen bei 24° C Wassertemperatur. Nur das an Bord robben, mit einem in Schlaufe gelegten Tampen, hinterlässt blaue Schrammen an den Knien und bleibt uns bis an das Ende der Reise erhalten. Für eines unserer Crewmitglieder mit Hüftschaden, ist das absolut inakzeptabel (Unfallgefahr)!  

 

 

8. Tag:   Die Wettervorhersage für den heutigen Tag verspricht uns Bewölkung und Regen. Da unsere Wasservorräte schon wieder zu Ende gehen, motoren wir zuerst in den Hafen Sabina (Formentera). Hier gibt es weder eine Anlegemöglichkeit noch  Frischwasser zu bunkern. So entschließen wir uns für eine Inselrundfahrt um Formentera. Ab Mittag kam etwas Wind  (2-3 Bft) auf, so dass wir wenigstens ein Stück segeln konnten. Am späten Nachmittag legten wir für eine Badepause in der Bucht Es Pujols den Anker aus. Anschließend ging es zurück zum Ausgangspunkt an die Boje  in Playa Espalmador.

 

 

 9. Tag:  Unser nächstes Ziel ist die Westseite der Insel Ibiza. Bei guten vier  Windstärken  passieren wir Cabo Llentrisca und die Ile del Esparto und holen die Segel bei Punta Tarre de Rovira wieder ein. Da unsere Wasservorräte aufgebraucht sind, motoren wir in den Hafen von San Antoni. Hier gibt es Wasser nach Zeit. Eine halbe Stunde für 15 € oder eine Stunde für 30 € ! Auch hier gibt es für uns keinen Liegeplatz (300 € / Nacht). So entschließen wir uns an das angrenzende Bojenfeld fest zu machen. Der Oberaufseher des Bojenfeldes war schnell zur Stelle und verwies uns des Platzes obwohl noch ca. 30 Bojen frei waren. So ankerten wir in der Nähe des Bojenfeldes. Für die Nacht waren 25 Knoten Wind angesagt. Daraufhin funkte ich den Bojenverwalter gegen 19 Uhr noch einmal an und bekam die gleiche Antwort, dass sämtliche Bojen reserviert sind, obwohl noch 20 Bojen frei waren. Leider hielt unser Anker nicht richtig, so dass wir um 4 Uhr in der Früh unsere Yacht unter Taschenlampeneinsatz an eine freie Boje umlegen mussten.

 

 

10.Tag:  Nach dem Ablegen von der Boje nehmen wir bei Windstärke 6 – 7 und ca. 2,5 – 3 m hohen Wellen Kurs in Richtung Portinatx auf. Nach einem vierstündigen Ritt durch die Wellen erreichen wir die Bucht von Portinatx. Hier erwartet uns eine super schöne türkisfarbene und geschützte Ankerbucht.  Der kleine Ort bietet außerdem einen Supermarkt und einige Restaurants in unmittelbarer Nähe.

 

 

11.Tag:  Nach Lichten des Ankers und genauem Hinsehen, wussten wir, warum der Anker die ganze Zeit nicht richtig hielt. Am Anker war eine Schaufel verbogen. Wie man so etwas hinbekommt ist für mich äußerst fragwürdig. Heute haben wir ca. 50 sm vor uns und segeln in Richtung 55° nach Mallorca zurück. Nach sieben Stunden Fahrzeit erreichen wir die türkisfarbene Badebucht von Sant Elm auf Mallorca. Hier machen wir an einer Boje fest und genießen den schönen Nachmittag. Nach ca. eineinhalb  Stunden zog sich eine schwarze Front mit Starkwind auf. Nach dem die Wellen über 1,5 m hoch waren, entschlossen wir uns blitzschnell in den geschützten Hafen von  Port Andraitx zu fahren. Auf dem Weg dorthin fing unser Steuerbordmotor an zu streiken. Wie gut wenn zwei Motoren an Bord sind. Wir legten uns hinter die Kaimauer an eine freie Boje. Auch hier kam der Oberaufseher und meinte, dass sämtliche Bojen bereits reserviert sind. So mussten wir noch einmal an eine vom Wind her ungeschützte Boje, unsere Yacht umlegen. Für die Nacht war ein Wind von 25 Knoten angesagt. Da der Steuerbordmotor nicht richtig lief, riefen wir den  Chartermitarbeiter an und er versprach umgehend Hilfe für den nächsten Tag.

 

 

12.Tag:  Heute gegen 10:30 Uhr kamen zwei Monteure zur Reparatur unseres Motors. Da der mitgebrachte Dieselfilter nicht passte, machten sie sich auf den Weg und kamen  nach 1,5 Stunden wieder zurück und tauschten den Dieselfilter aus. Nach der Frage, ob sie nicht auch die Filter im Tank reinigen sollten, bemühten Sie sich das zu tun. Es wurde lediglich nur ein verschmutztes Filter gereinigt. Der Heizstab im Warmwasserboiler wurde ebenfalls gewechselt. Bei der Steuerbordtoilette war mittlerweile das Rückschlagventil defekt und es ließ sich ohne Ersatzteile nicht reparieren. Nach der anschließenden Probefahrt verlief der Motorprobelauf eigentlich positiv. Als die beiden Monteure wieder von Bord gingen war es mittlerweile schon kurz nach 14 Uhr und wir holten den Bojenaufseher ans Boot und wollten einen Platz im Hafen haben, da die Nacht wieder mit 20 bis 25 Knoten Wind angesagt war. Nach einigem hin und her hatte er einen Liegeplatz für 150 € im Hafen. Den Nachmittag verbrachten wir im wunderschönen hafeneigenen Pool und ließen den Abend bei Fisch und Wein im nahegelegen Sant Elm ausklingen.  

 

 

13.Tag: Da es bis Porto Colom noch rund 60 sm sind, legten wir um 9 Uhr in der Marina Port Andraitx ab. Nach kurzer Zeit hält der Steuerbordmotor die Drehzahl nicht und er fängt wieder an zu sägen und das trotz Reparatur. Aber bei Windstärke 5-6 und 2,5m hohen Wellen geht es mit vollen Segeln in Richtung Cabrera. Bei blauem Himmel und idealem Wind segelten wir in 6 Stunden ca. 52 sm bis zur Cala Mondrago und machten hier eine Buchten-Rundfahrt. Cala Mondrago ist eine sehr schöne Bucht mit tollen Villen und einem Appartementhotel. Wir ankerten dann im nahegelegenen Porto Petro an einer Boje (40€), in einem ruhigen Seitenbecken unweit vom Hafen.

 

 

14.Tag:  Am Morgen stellten wir uns auf einen kurzen Schlag von ca. 12 sm nach Porto Colom ein. Der Wind drehte in der Nacht um 180° auf Ost und so kreuzten wir bei absolutem Toppwetter und bei Windstärke 4-5 und fast keinem Wellengang in Richtung Heimathafen zurück. In der Marina Porto Colom angekommen, haben wir die Yacht vollgetankt. Anschließend roch die Steuerbordkabine hinten so stark nach Diesel, das diese auch nicht mehr bewohnbar war.

 

 

15.Tag:  Heute geht es für einen Teil der Crew, nach einem kurzen Snack im Hafenkaffee, nach Deutschland zurück. Der Flughafentransfer klappte prima. Fazit unseres Törn: Bis auf die absolut schlecht bewirtschaftete Yacht, ist das Revier  Rund um Mallorca, Ibiza und Formentera ein sehr schönes Segelrevier mit einigen starken Abstrichen. Absolut grauenvoll sind die total überfüllten Häfen und das geringe Liegeplatz-angebot. Dazu kommen die horrenden Liegeplatzgebühren. Die Bojenfelder sind zu empfehlen, aber teilweise gibt es keine freien Bojen, obwohl jede Menge Bojen frei sind. Hier ist dringend eine bessere Regelung zur Verteilung der Bojen angesagt. Außerdem ist man ständig an das Dinghi gebunden um an Land zu kommen. Das ist in Italien, Griechenland und der Türkei so nicht vorzufinden.