Törnbericht England Seereise 2013

Anreise
Eberhard, der Eigner der Zeemin ist so freundlich und fährt uns mit seinem VW Touran nach Herkingen zum Schiff. Weil wir das Boot in Inverness an die nächste Crew weitergeben und mit dem Flugzeug zurückkommen, ist es nicht sinnvoll mit dem eigenen Auto zu fahren.
Ein wenig kuschelig ist es wegen des Gepäcks und der Vorräte schon
J.
Die Startcrew Malte, Paul, Georg und Georg.
Ankunft in Herkingen, und beladen der Zeemin mit den Vorräten.  Wir bringen letzte Ausrüstungsteile an Bord.

Abschätzen der Wetterlage und die Entscheidung nicht über die Schleuse Roompot in die Nordsee zu fahren, sondern über Vlissingen. Leider ist die Gefahr von Grundseen bei Roompot gegeben. Winde aus NW mit 5-6 bft.

Erster Tag, es geht endlich los!
Nach einigen Anlaufschwierigkeiten, wie „was ziehen Wir hier eine Ölspur hinter uns her“, war aber nur der frisch geschmierte Ruderkoker, oder „Mist, immer Wind von vorn“, geht es über die Schleuse Bruinesse auf die Osterschelde.
Nach einem Aufkreuzen zur Zeelandbrugg innerhalb der nächsten vier Stunden ist der tiefste Punkt des Bootes je nach Schräglage von 35° festgestellt worden. Einige nachgerüstete Schapps sind bauartbedingt wohl doch nicht so seefest. Dem wird mit Sitzkissen abgeholfen.
Die Crew hat schon die ersten Kontakte mit Seekrankheit und wir entscheiden in Zierikzee die Nacht zu verbringen.

Zweiter Tag
Auf dem Weg nach Vlissingen.
Wir sind über die Kanäle und das Versemeer nach Vlissingen unterwegs. Das Wetter hat sich leider nicht gebessert.
Wir kommen ca. 21 Uhr im Stadthafen in Vlissingen an.

 

Dritter Tag
Auslaufen mit der Flut um 3:30 in Richtung Lowestoft. Das Wetter ist uns immer noch nicht geneigt eine einfache Überfahrt zu gewährleisten, bedeckt bei 15° mit Wind aus NW 5-6 bft.
Die Crew verträgt den Wellengang bis 3m auf der Westerschelde nicht so gut. An der Thornton Bank ist leider Schluss, meine Crew ist komplett Seekrank, unser Mitsegler Georg leider so stark (aufgrund einer schweren Erkältung), dass ich entscheide, nach Zeebrügge zurückzukehren. Ich rufe Eberhard an und teile ihm den Stand der Dinge mit. Ich schließe mit dem Satz:
„Eberhard, kannst du mir eine neue Crew besorgen? Die hier ist durch.“
Georg geht in Zeebrügge aus gesundheitlichen Gründen von Bord, der Ersatz aus Köln ist in der Rekordzeit von 6 Stunden da. Jürgen hatte gerade mal 2 Stunden Zeit zum Packen.
Die Crew erholt sich erst einmal von der Fahrt.

Vierter Tag
Auf ein Neues, gegen Mittag erneutes Auslaufen nach Lowestoft. Nach 18 Stunden sind wir dann gegen 20 Uhr in Lowestoft angekommen. Diesmal waren nur 50% der Crew seekrank. Kein Schiffsverkehr, der Channel ist wie leer gefegt, vorbei an den Windparks nutzen wir die Tiedenströme für eine schnelle Überfahrt. Gegen 20 Uhr sind wir im Hafen.
Lowestoft hat einen sehr schönen Yachthafen mit einem traditionsreichen Yachtclub.
Bin am nächsten Tag erst mal dabei mir Ersatz für die kaputte Segelhose und die in Stücke gegangenen Seestiefel  zu beschaffen.
Cargo Hosen von Mark & Spencers tun ihren Dienst, die Stiefel müssen warten, ein vernünftiges Paar ist leider nicht so schnell zu organisieren. Die alten Stiefel sind aber noch dicht
J.

 

Fünfter und folgende Tage
Wir laufen aus mit dem Ziel Hartlepool, leider wieder NW Winde mit 5-6 bft. Den einzigen Kurs den wir damit segeln können ist direkt Nord. Damit geht für die nächsten zwei Tage raus auf die Doggerbank.
Die Wachen waren relativ eintönig, bis auf einige Probleme (Wasser im Schiff-schmeckte süß-aber woher, Seekrankheit in Ihrer normalen Form). Mein Kommentar:
„Macht was ihr wollt, aber kotzt mir nicht auf die Karten.“ Wir sind von der Küste bis zu 50 sm entfernt. Nur noch wenige Funkmeldungen. An den Bohinseln auf der Doggerbank vorbei nach Norden.
Als der Wetterbericht ein Auffrischen des Windes auf 8 bft meldet, entschließe ich wieder auf die Küste zuzuhalten. Ungefähr 20 sm vor Hartlepool ergeben die Berechnungen, dass wir etwa 3 Stunden warten müssten um in die Schleuse des Tidehafens einlaufen zu können. Daher setzen wir Kurs auf Tynemouth.
Wir laufen in die Schleuse des Yachthafens von Newcastle upon Tyne bei Niedrigwasser ein. Der Hafenmeister kommt, um Nachzufragen ob wir die Yacht gewesen sind, die sich gerade gemeldet hat. Was nicht aufgefallen war, durch den Regen ist Wasser in das Micro des Funkgerätes gelaufen, und machte meine Meldung fast unmöglich zu verstehen.
Für das nächste Mal etwas gelernt, erst das Wasser aus dem Micro klopfen, bevor man sich meldet
J.
Die Schleusung in das Hafenbecken ist schon ein Erlebnis bei ca. 5 m Höhenunterschied ist das Wasser am Ende hellgrün. Der Hafenmeister hilft bei dem Liegeplatz und beim Festmachen. Nachdem wir im Hafenbüro die Formalitäten erledigt haben, kommt der Hafenmeister mit der deutschen Flagge, und zieht Sie an einem der Fahnenmasten auf. Zusammen mit den anderen Nationalitäten die im Hafen anwesend sind.
Man achtet auf die Etikette
J.
Paul verlässt die Zeemin , da er noch einen Termin in Edinburgh hat. Wir würden das mit dem Schiff nicht mehr rechtzeitig schaffen, deshalb nimmt Er den Zug ab Newcastle.

Achter Tag
Wir machen uns auf den Weg nach Berwick upon Tweed, vorbei an Holy Island bei warmen 16 Grad und NW 5-6 bft.  Vor Berwick rufen wir vergeblich den Hafenmeister über Funk, bis uns ein Fischer informiert, es sei schließlich Wochenende und das Hafenbüro nicht mehr besetzt. Wir sollten so verfahren wie es uns beliebt, wir laufen ein.
Zum Festmachen an der Mole muss mir Malte mit einer Räuberleiter aushelfen, da Sie ca. 2 m höher als das Deck liegt. Der Kapitän eines Fischerboots mit Ausflüglern teilt uns mit, das der Tidenhub im Hafen bei 5,60 m liegt, was wir leider schon wissen, und wir zur Bequemlichkeit gerne ins Päckchen an sein Boot gehen können. Das Fischerboot ist dank speziellen Moorings mit Rei
tgewichten gut an den Hub angepasst.  Wir nehmen das Angebot gerne an, sonst müssten wir die Festmacher stündlich anpassen.

Neunter Tag
Am nächsten Morgen geht es Richtung Edinburgh weiter. Dort soll ein Crew-Wechsel stattfinden.
Einige Stunden nach dem Auslaufen bekomme ich von Hans-Peter per SMS die Absage wegen Krankheit.
Jürgen wird kurzerhand schanghaiet und zur Weiterfahrt nach Inverness verpflichtet
J.  Meine Antwort auf Eberhards Frage wie ich Jürgen dazu überredet habe zu bleiben: „Der kommt nur soweit auf den Steg wie die Kette reicht!“.
Wir nehmen weiterhin Kurs auf Edinburgh, der Wind hat auf bis zu 27kn aufgefrischt und dreht auf West. Schade, dass wir am Eingang zu Firth of Forth genau in die Richtung müssen. Nach 2 Stunden vergeblichen Ankreuzen, gerade mal 3 sm gut gemacht, gehen wir unter Motor die letzten 25 sm nach Edinburgh zur Granton Marina an. Wir machen gegen 20:30 Uhr  fest. Zu unserem Leidwesen ist der Yachtklub ab 20 Uhr geschlossen und der nächste Tag ein Ruhetag. Das heißt, keine Dusche, kein Strom und kein Schlüssel für den gesicherten Steg
L. Ich versuche vergebens den Manager zu erreichen. Leider ohne Erfolg. Deshalb entschließen Wir uns am nächsten Morgen in die Port Edgar Marina 6 sm weiterzuziehen. Eine gute Entscheidung, die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist gut und wir legen einen Ruhetag ein, da Gaby unsere vierte Mitseglerin erst am nächsten Tag eintreffen will. 
Einige Eindrücke können wir in der Innenstadt und dem Whiskey Museum sammeln.  „Slàinte mhath“

Da Gaby erst am nächsten Abend eintreffen wird,  vereinbaren wir als neuen Treffpunkt die Queens Docks in Dundee als neuen Treffpunkt.

 

Zehnter Tag
Wir sind auf dem Weg nach Dundee. Der Wind weht beständig aus West mit 5-6 bft. Endlich mal bis zu 8 kn auf der Logge
J. Gaby ruft kurz vor unserem Einschwenken in die River Bay von Dundee an. Sie hat Ihren Flieger verpasstL. Sie kann erst zwei Tage später zu uns stoßen. Kurze Überlegungen ob wir in den Hafen von Arborath noch erreichen können um ein Stück weiter nördlich zu kommen. Nach einem Telefonat mit dem Hafenmeister über die Schließzeiten der Tidenschleuse und einigen Berechnungen über die ETA ist mir das Zeitfenster von 15 min für die nächsten 4 Stunden Fahrt zu knapp. Wir laufen wie geplant in den River Tay ein (in der Spitze 9 kn über Grund!) mit und verbringen die Nacht vor dem Tay Yachtclub. Nach Anweisung des Commodores bekommen wir eine kostenlose Muringboje.  Weiterhin erkundigt man sich nach unserem Befinden, und ob wir etwas brauchen J. Wie immer sind unsere Gastgeber sehr freundlich und zuvorkommendJ.
 

Elfter Tag
Auslaufen in Richtung Aberdeen. Ein schneller Schlag wird es, Wind aus WSW mit 5 bft. 7 kn Fahrt durchs Wasser sind Standard. Das ist natürlich sehr aufreibend und wir sind total fertig von der Anstrengung.
Wir melden uns bei Aberdeen Harbour Control, nach dem Auslaufen von zwei Versorgern für die Nordsee Ölplattformen werden wir am Hafeneingang von einer Schule von ca. 15 Delphinen begrüßt. So ein tolles Erlebnis hatte ich auch im Mittelmeer noch nicht. Wir bekommen ein lauschiges Plätzchen im romantischen Victoria Dock zugewiesen.
Nach Bezahlung der Hafengebühr beim Hafenangestellten, der uns auch beim Festmachen behilflich ist fragen wir nach dem nächsten Pub für den verdienten Anleger. Uns wird ein Pub in der Nähe empfohlen.
Als wir uns dann eine halbe Stunde später auf den Weg machen, kommt der Angestellte mit seinem Auto zurück und entschuldigt sich, weil er noch nicht wusste dass der Pub heute leider geschlossen ist. Er fordert uns auf in sein Auto zu steigen und bringt uns persönlich zu einem anderen Pub
J,der allerdings weiter entfernt ist.

 

Endlich einmal eine richtige Hafenkneipe.
Leider muss Malte das Boot am nächsten Morgen verlassen, um noch rechtzeitig seinen Flieger nach Hause zu bekommen.
Jetzt sind Jürgen und ich alleine.

 

Zwölfter Tag
Die 26 sm nach Peterhead schaffen wir locker in 4 Stunden, bei sechser Wind aus SW mit 6 bft. Im Schnitt hatten wir 8 kn auf der Logge, eine schöne Fahrt mit achterlichem Wind.

Wir kommen in der Marina von Peterhead an, in der wir auch Gaby erwarten.
Gaby kommt gegen 18 Uhr an Bord, und wir gehen ein paar Fish and Chips essen. Das erste Mal während dieses Törns.
Ein gutes Guinness zum Abschluss und Jürgen packt schon mal seine Sachen, denn am nächsten Morgen muss er zum Zug nach Edinburgh.

 

Dreizehnter Tag
Nachdem Jürgen das Boot verlassen hat, machen Gaby und ich uns auf den Weg nach Lossiemouth wo uns Eberhard und Herrmann erwarten. Leider schläft der Wind gegen Mittag ein und wir müssen unter Motor bei SW Wind von 3 kn weiter. Um 21 Uhr laufen wir wie berechnet in den Hafen von Lossiemouth ein. Eberhard und Herrmann stehen schon auf der Hafenmole und begrüßen uns.

Ich finde den Hafen sehr malerisch, und der Hafenmeister bei dem wir man nächsten Morgen die Hafengebühren entrichten ist sehr zuvorkommend.
Er gibt uns noch kostenlos Informationsmaterial über Inverness und den Caledonian Canal, nachdem er von unserem nächsten Etappenziel gehört hat.

 

Vierzehnter Tag
Wir machen uns wieder mit voller Crewstärke auf den Weg zum letzten Etappenziel des Skippers. Komischerweise weht der Wind wieder genau aus der Richtung in die wir müssen. Nach vierstündigen Gegenankreuzen sind wir dem Ziel in 52 sm gerade mal 5 sm nähergekommen. Der Wind hat auf 8 bft aufgefrischt und der Wellengang auf 5 bis 6.

Sicherer ist es dicht an der Küste unter Motor weiterzufahren. Auch so wird das Ganze nicht einfach. Der Anker löst sich, obwohl mit Kippsplint und Tampen gesichert bei dem rauen Wellengang zweimal aus der Halterung.
Gegen 20 Uhr laufen wir in die Inverness Marina ein, nachdem wir die Brücke mit Ihrem starken Tidentrom von bis zu 6 kn passiert haben.Das Anlegemanöver in der Marina fand in einer beeindruckend schnellen Zeit statt. 3 Minuten nach einlaufen in den Hafen war die Zeemin an Ihrem Liegeplatz fest, ein eingespieltes Team.
Einige Segler in der Marina, die dieses beobachtet hatten fragten schon nach „Are you in a hurry?“

Dies war mein letztes Anlegemanöver bei diesem Törn, denn mein Flug geht am nächsten Morgen.
Ich bin erleichtert. Ich habe das Boot mit gesunder Mannschaft, Pünktlich und ohne Schäden am vereinbarten Treffpunkt abgeliefert. Die Karenzzeit für diesen Abschnitt ist aber auch voll ausgeschöpft.
Eberhard hat nun das Kommando übernommen um in den Caledonian Canal nach Westen zu laufen.

 

letzter Teil von Jürgen

Plymouth 1.8.2013

Ich hatte meine Reise 1 Tag früher geplant um rechtzeitig am Treffpunkt zu sein; wollte in Plymouth im Hotel schlafen. Als ich aus dem Flugzeug stieg, und das Handy anmachte, erreichte mich die Nachricht, dass die Zeemin am selben Tag in Plymouth eintreffen wird.

Dann gab es quasi ein Wettrennen: Wer ist eher da, Jürgen oder Zeemin? Ich hatte knapp gewonnen (mindestens 5 Minuten).

Nach einer elenden Schlepperei kam ich am Busbahnhof an, lief ich zum Hafen – kam aber an der hintersten Kannte an; mal den Seesack (20kg genau) am länger werdenden Arm, mal auf der einen oder anderen Schulter. Segler rieten mir, rechts rum zu laufen, da man über die Schleuse besser zu „Queen Anne Battery“ kommt. War noch nicht ganz an der Schleuse, da klingelte das Telefon, Eberhard wollte wissen, wo er hin soll, ob ich Marina bestellt hätte. Ich winkte wie wild, die sahen mich und pickten mich direkt am Kai von einer Treppe. So war meine erste Aufgabe an Bord, die Marina anzufragen, ob wir einen Platz bekämen - klar.

Wir haben dann auch direkt einen Platz bekommen. Die Anlage war sehr schön, einfach super Sanitäranlagen (braucht man da einen Anzug um die zu besuchen?) und - über eine Fußweg gar nicht weit in den mondänen Hafenbezirk von Plymouth.

Schön, dass alles so über die Bühne ging und für alle ein Tag Rast und Sightseeing in Plymouth. So konnten wir auch das Nachtleben und die Pubs genießen.

 

Die Altstadt direkt um den Hafen herum ist recht schön renoviert und ein hippes Viertel geworden. Allerdings hatte ich die Fahrt über die Insel und vom Hinterland nach Plymouth im Kopf – da sieht es weite Strecken eher trostlos aus.

Mit immer noch 1 Tag vor Plan liefen wir dann abends aus Plymouth aus. Hier diktiert immer Strömung und Tide die Fahrzeiten. Der „Channel Pilot“ half uns, den Zeitpunkt des Ablegens zu bestimmen: Man muss vom Zielpunkt oder dem kritischsten Punkt (Tide und Strömungen bedenken) aus zurückrechnen, wann man losfahren muss – in unserem Fall 22:00 Uhr. Anmerkung: Das ist für Segler eine emotioal schwierige Rechnung – bei dieser Kalkulation ist unbedingt ein schlechter Wert für die Bootsgeschwindigkeit anzulegen – wo doch Segler und Fischer ….

Komisch: kaum macht man es richtig, schon geht’s: Etwas vor der Zeit kam Guernsey bei strahlend schönem Wetter in Sicht. An dem Punkt hatte ich mir zwei Varianten ausgedacht – je nachdem, wie wir relativ zur Tide ankamen. Wir waren früh – somit nördlich um Guernsey rum. Wir kamen aus NW, alle Häfen liegen auf der Ost Seite.

Guernsey – Beaucette Marina

Da kam uns der Hinweis einer früheren Mitseglerin in den Sinn. Gabi aus Berlin hatte vor einiger Zeit von einer kleinen ruhigen Marina im Norden erzählt, die sich lohnen würde (Danke Gabi!). Die liegt auch sehr passend gleich NO „um die Ecke“. Leider war sie zum Zeitpunkt nicht zugänglich (50cm Wasser über Barre – rüber tragen wollten wir die Zeemin nicht, wir waren einfach zu faul ;-). Der Hafenmeister meinte, er würde uns 14:30 abholen, wir sollten vor Boje verholen. So haben wir dort was gegessen und geruht – bis uns der Hafenmeister aus den Träumen riss. Die Hafeneinfahrt ist 8m (acht Meter) breit und wir schauten etwas bedenklich dort rein zu fahren, aber die Kannten waren sehr steil und keine Gefahr auf Grund zu laufen oder an zu schrammen. Drinnen fanden wir auch einige Schiffe >>50Fuß. Die hatten vermutlich einen großen Schuhlöffel für die Einfahrt dabei.

Die Marina war ein Traum. Klein, wie in Felsen gesprengt, von Wiesen und Gärten umgeben, mit einem netten Clubhaus (auch wenn Alexis das Guinnes nicht schmeckte), einem (wie immer) hilfsbereiten Hafenkapitän. Großer Gästesteiger, nicht am Ende der Welt und vernünftigen Duschen.

Ganz pittoresk: Auf den Kanalinseln MUSS man einklarieren. Ich bekam vom Hafenmeister sofort einen großen Einklarierungsbogen – der dann aber einfach in einen speziellen Briefkasten am Steg einzuwerfen war. In allen weiteren Häfen wurden wir mit diesem Ding konfrontiert. Aber einmal muss reichen – es schien fast, als wären die Hafenkapitäne ein bißchen frustriert, wenn sie den Zettel nicht loswurden.

Am nächsten Tag kam dann Ingo zu uns. Er war früh angereist und da wir auch früher dran waren konnte er wie ich auch früher an Bord.

Ausflüge:

Nach 5 min. laufen vom Hafen durch kleinste Straßen kamen wir an die „Bundesstraße“ (… da kommen 2 Autos aneinander vorbei ohne rangieren). Dort fuhr alle 15min ein Bus nach St. Peter Port und die anderen Orte. Das hatten wir auch genutzt.

St. Peter Port ist eine große alte Stadt mit vielen alten Häusern unterschiedlicher Epochen. Wir liefen eine Weile durch, konnten uns aber nicht entscheiden, was wir wollten. Kleinigkeit essen? Was trinken? Wo reingehen? Letztlich haben wir bei einem indischen Lokal was zum Mitnehmen gekauft und an einem alten Platz mit italienisch anmutendem Laubengang gegessen. Ich fand mein Essen scharf und sehr lecker; glaube, auch die anderen waren sehr zufrieden. Erschreckende Erkenntnis: indisches Essen auf dem Schoß essen geht leider nicht ohne mehr oder weniger vielen Flecken auf der Kleidung ab – zumindest meine Hose war danach wieder reif für die Wäsche. Auf Guernsey schließen die Pubs später und so kamen wir auch noch zu einer örtlichen Hopfenkaltschale.

 

 

Den zweiten Tag in Beaucette wollten wir „nur“ etwas spazieren gehen. Davon erzählen auch diese Bilder von den anderen Häfen, die entlang der Route Beaucette – St. Peter Port liegen. Letztendlich sind wir sogar wieder in St. Peter Port geendet. Damit waren wir uns auch sicher, dass wir vor St. Peter Port keinen Hafen anlaufen können, weil die trocken fallen (ok, aber an einem kommerziellen Pier würde man uns nicht lassen).

Guernsey St. Peter Port

Nach 2 Nächten in der Beaucette Marina hatten wir nach St. Peter Port verlegt. Eberhard wollte von Bord, Paul an Bord – und dass sollte einfach gehen. Leider waren wir (mal wieder) etwas spät dran, die Strömung war gekentert – damit gegen uns und die 5sm nach St. Peter Port dauerten. Folglich waren wir auch zu spät für die geplante Viktoria Marina(hat auch einen Drempel). So mussten wir an einem Ponton im Hafen liegen. Das war eigentlich auch nicht schlecht, es gab ein „Wassertaxi“ welches die Leute für 1 Pfund an den Pier fuhr. Diese Pier war auch nicht allzu weit vom Busbahnhof und so erreichte Paul uns „nur“ mit halb lahmen Armen.

Ausführliches Studium der Stromatlanten ergab, dass man tunlichst noch am Tage auslaufen sollte. Da wir immer noch vor dem Zeitplan waren, ergab sich die Möglichkeit noch eine weitere Insel zu besuchen.

 

Alderney Braye

Diesmal stimmten die Kalkulationen des Stromes (Schiff 5kn, Strecken großzügig aufrunden; Zeit für Ein- und Auslaufen zuschlagen – gegen Segler Tradition kleine Brötchen backen). Den ganzen Weg mit mäßigem Wind wurden wir mitlaufenden Strom belohnt. So konnten wir wie geplant Alderney noch vor Dunkelheit erreichen. Leider kann man dort nur an Bojen liegen.

Die meisten waren belegt, nur weit außen war noch was frei. Das ergab eine sehr schaukelige Nacht, die Zeemin legte sich ständig auf die eine oder andere Seite. Ich glaube, Paul hat extra sein Leesegel am Bett in Anschlag gebracht – sonst wäre er unsanft auf dem Boden gelandet. Am nächsten Morgen, mit geschärftem Blick stellten wir fest, dass wohl alle Schiffe so gegeigt hatten. Es schien, als ob einige frustriert vor dem Frühstück aufbrachen.

Für uns war entweder vor dem Frühstück oder am Abend der Termin zum Aufbruch. Es sollte durch das berüchtigte Alderney race gehen. Damit Alderney nicht nur ein Eintrag im Logbuch bleibt, entschieden wir uns mal wieder für Nachtfahrt - dafür mit einem Ausflug am Tag. Also Wassertaxi rufen und die Insel erkunden.

 

Alderney hat eine wunderschöne Landschaft. Viele mächtige Befestigungen erzählen von vielen kriegerischen Zeiten, Franzosen, Engländer, Deutsche haben dort militärische Einrichtungen hinterlassen. Die größten dienen nun den Fischern als Lager. Uns dienten sie als Aussichtspunkt mit endlos weitem Blick. Ansonsten ist die Insel von Wiesen und Buschwerk geprägt.

Alexis hatte vom Hafenmeister eine Karte bekommen und ermunterte uns zu einem Insel Rundgang (ok – wenn ich ehrlich bin, einen kleinen Rundgang), erst zu einer Festung, dann rustikal mal durch die Brombeeren, über Pferdekoppel und Gänsewiese nach Braye rein.

****

Wir liefen durch ein ganz altes liebevoll erhaltenes Städtchen. Offensichtlich ist die Insel mit gutem Klima gesegnet, überall viele bunte Blumen. Die „Hauptstraße“ ist gesäumt von alten bestens erhaltenen Läden – man möchte einfach stundenlang nur schauen.

 

Eigentlich schlich seit einiger Zeit der Hunger mit uns durch die Gassen. Alexis wollte unbedingt ein Pub und Bier, ich was zu essen. Wir wurden alle bestens bedient. Alex steuert einen netten Pub an, als wir reingingen empfing uns ein dickes Schild: Hier entlang zum „Biergarden“. Klasse, nicht im dustern sitzen. Der Biergarten hätte mit seiner Blumenpracht eine Damencrew voll für sich eingenommen – aber auch „die harten Kerle“ konnten sich nicht verschließen. Wir hatten eigentlich Glück, dass für uns noch ein kleiner Tisch frei war – offensichtlich mögen auch die Einheimischen „Biergarden“ und hatten viele Tische für große Familien zusammengeschoben.

Das Beste: Bier war prima und das Essen entgegen aller Vorurteile auch.

Wir machten viele Fotos. Aber irgendwann musste man mal wieder zum Schiff. Schnell noch 20l Wasser mitnehmen (der verbliebene Tank reichte bei unseren Pantry Gepflogenheiten nicht weit) und das Taxi brachte uns wieder an Bord.

Als wenn es eine Gepflogenheit wird: wir fuhren mal wieder in den Abend.

Cherbourgh

Erst mal musste ich mich an die seltsame Sprache auf Funk Kanal 16 gewöhnen. Später merkten wir, dass man auch englisch spricht – sogar der Wetterbericht kommt gelegentlich in Englisch.

Also rein nach Cherbourgh (die Hafenverwaltung hat uns sogar verstanden – die Franzosen haben eine ganz eigenartige Aussprache für den Namen der Stadt) um Liegeplatz gebeten und sofort einen zugewiesen bekommen. Erst legten wir an der ersten Möglichkeit an, dass war definitiv falsch. Also ging ich erst mal zu Fuß über den Steg um den korrekten Platz zu suchen. Der lag am anderen Ende des Steges – aber weiter zum Hafen hin, also vor dem Anleger Bier noch mal verlegen. Wie sich später herausstellte, waren die Wege im Hafen ohnehin recht lang – also eine gute Investition.

Kein Hafenmeister – eine sehr nette Hafenmeisterin klarierte uns ein und gab uns Infos + Broschüren. Leider hatte sie noch Dienst – sonst hätten wir sie gerne als Stadtführerin und Begleitung engagiert. Lovis fehlte uns inzwischen.

Wir haben auch (versucht) die Stadt zu erkunden. Leider waren alle Wege doch recht lang. Aber die nötigen Einkäufe und einen Café und Quiche haben wir bekommen.

 

Fécamp

Wir kamen mal wieder am Morgen an. Ein sehr netter Urlaubsort. Entlang langer Sandstränden, die von hohen Felsen eingerahmt sind, mussten wir um eine riesige Holzbuhne segeln. Als Herausforderung ging dann noch ordentlich Strom quer durch die Einfahrt und Buhne. Dahinter dann aber ein toller Yachthafen. Wieder eine nette Hafenmeisterin – aber auch die begleitete uns nicht in die Stadt.

 

Dafür wurden wir mit Kneipen und Cafes nicht enttäuscht. Im Ort kann man sich schauender Weise durchaus verlieren.

 

Am Vormittag mal auf ein Getränk in die von der Hafenmeisterin genannten Bar. Als Touri Aktion gingen wir in die „berühmte“ Destillerie für Benedictine.

Von außen sieht das Gebäude aus wie ein Schloss – wohl ähnlich gewissen Gebäuden längs des Rheins so eine Träumerei des Erbauers. Der hatte (behauptet er) eine alte Rezeptur der Mönche wieder gefunden und diesen Schnaps danach „wieder erfunden“. Die Führung war interessant – es ging tatsächlich durch die Produktion und die Kellerei. Zum Schluss ein geistiges Getränk für jeden – der pure Honig; warum hatten wir nicht noch einen guten Scotch im Schiff?

 

Abends wollten wir noch einen drauf machen. Am Mittag hatten Paul und ich mitten in der Stadt sehr gut gegessen. Das wollten wir mit der ganzen Crew am Abend wiederholen. War aber nichts- alle Bürgersteige schienen hochgeklappt. Letztendlich landeten wir wieder in der Bar am Hafen. Die hatte da eine Art Zelt über den Platz mit ihren Tischen aufgebaut. Da konnten wir dann den Abend trotz frischem Wind genießen.

Dieppe

Große Stadt! Verteilt rund um den Hafen, der wiederum etwas gemischt – Stege mit Freizeitschiffen (überwiegend Segler) und am Kopf des Steges auch mal ein Berufsschiff.

Alle guten Dinge sind drei – ein ganzes Hafenbüro voller super netter …. –ich glaube, ich wiederhole mich.

Als erstes wollten wir einkaufen, dann noch ein bisschen schauen. Dabei bekam mindestens der Skipper Hunger. Also was suchen – aber wir hatten ca. 15:00 – da wollte uns keiner was machen – erst um 18:00 wieder – aber das war der Termin zum Auslaufen. Eine Restaurantbesitzerin hatte Mitleid mit uns und verwies uns die Promenade runter an das Restaurant ihres Sohnes. Der hat uns dann erwartet und bot uns ein Menue an – nicht ganz billig, aber im Menue einige Auswahl – und wir waren alle voll zufrieden.

Allerdings fällt man nach so einem Essen ins Suppenkoma – so auch wir. Alle Mann in die Kojen und der Skipper stellt den Wecker (18:00) – meinte er zumindest. Los sind wir dann fast hektisch 18:45.

Wieder mal eine Fahrt in / durch die Nacht – das ist nun mal so in Tiedengewässern.

Eine lustige Begebenheit: Das Schiff hat ja aktives AIS. So rief jemand mitten in der Nacht die Zeemin an. Es war ein anderer Segler, der ein oder zwei Schiffe neben uns gelegen hatte. Auch er wollte nach Norden und hatte (wie er selber sagte) uns nachgemacht. So quatschten wir eine Weile, bis der Andere einigen Vorsprung hatte. Tat mir anderseits ein bisschen leid, weil das Gespräch durch den Salon schallte – da wollte eigentlich Alexis schlafen.

Calais

Nur rein kurzer Stop.

Paul wollte von Bord, um früh nach Hause zu fahren. Daher musste dieser Hafen angelaufen werden. Als wir am Morgen da waren, schauten wir recht sparsam auf eine vollkommen trockene Barre. Der Hafen sollte erst am Nachmittag befahrbar werden. Raus kämen wir entweder mitten in der Nacht oder erst am Nachmittag des kommenden Tages.

Daher gingen wir erst mal an eine Mooringtonne. Dinghi aufblasen war uns ein bisschen viel Arbeit. Daher versuchten wir an einem Schwimmsteg vor der Barre anzulanden – was auch ging (vorher keine Ahnung, wie tief es dort sein wird – so detailliert sind die Karten nicht). Damit konnten wir Paul auch komfortabel von Bord bringen. Er ergatterte ein Taxi und war schnell und bequem an seinem Bahnhof.

Allerdings gefiel mir das Ganze ob der weiteren Planung nicht. Es bot sich an, nach einer Malzeit direkt weiter zu fahren – gesagt, getan:

Dunekirchen:

Die geschichtsträchtige Stadt hatte mehrere kleine Marinas im Angebot. Schnell waren wir in einer vertäut. Muss die Hafenmeisterin sehr loben – sie gab uns einen guten Platz weit drin im Hafen – nicht wie üblich am A… der Welt.

Am Abend wollten wir in der großen Stadt einen drauf machen – unterm Stich haben wir gar nichts bekommen. Lange liefen wir durch die weitläufige Stadt. Einige Restaurants gab es – aber gegessen hatten wir bereits. Eine Kneipe um was zu trinken fanden wir trotz intensivem Suchen nicht. Letztlich konnten wir nur noch ein Bier in der Kneipe des Yachtclubs trinken, dann wurde geschlossen – war auch gut so; teuer war es für mind. 3 Bier.

Wir schrieben uns ins Planungshandbuch: Vor der Reise auch für die Städte Plan machen. Ich kam mir vor wie ein Tourist, der in Köln aus dem Bahnhof kommt und geradeaus Richtung Börse läuft (da ist nicht mal ein Hund begraben), statt links um den Dom rum.

Ausnahmsweise war am nächsten Tag eher spätes Auslaufen angesagt. Die Strecke war nicht allzu lang. Zu Begin noch motoren, kam aber bald Wind auf.

Zeebrugge

Für die „tapfere“ Entscheidung wurden wir auch mit einem tollen Segeltag beloht. Zum Schluss mussten wir fast reffen. So kamen am Abend in Zeebrugge an.

Die Einfahrt in den Hafen wurde ein echtes Durchhalteprojekt ;-)

Es war inzwischen guter Wind, wir konnten gerade noch unser volles Tuch behalten. Bei der Ankunft stand das Signal am Hanfen Eingang auf gesperrt. Also Hafen anfunken (haben wir fast immer gemacht). Man bat uns, abzuwarten und auf Kanal 69 standby zu bleiben. Leider haben die uns dann vergessen. Nach vielem Kreuzen (gut, dass der Funk auf 69 und 16 aktiv war) wurden wir noch aus dem Fahrwasser raus gebeten. Aber Einfahrt erhielten wir nicht. Später fragten wir noch mal an. Ein kleines „fang mich doch“ Spiel, auf welchem Kanal wir sprechen sollten und wieder keine Einfahrt. Nach wiederum langen Warten war wohl Wachwechsel auf deren Brücke, eine nun nette weibliche Stimme (ehrlich Sabine – kein Seemannsgarn) gab uns dann sofort Zugang. Zu unserer Ankunft vor Zeebrugge hatte der Wind ordentlich zugelegt. Da wir auf baldigen Einlass hofften, wollten wir nicht noch reffen – so wurde die Wartezeit ein rauschendes Hin und Her voll auf der Kannte.

Mit der beschränkt guten Laune (gefühlt haben wir 2h vor dem Hafen zugebracht und zum Teil richtig nass gesegelt) ging es rein: Der Gastlieger war proppevoll, der Hafenmeister war schon weg. Die letzten direkt liegenden Schiffe wollten um 5:00 oder 6:00 morgens raus.

Kein Hafenmeister, kein Zugang zu Duschen, keine Möglichkeit raus zu gehen. Daher mussten die letzten Biervorräte für den Anleger geopfert werden. Es wurde dunkel, Alexis ging noch mal los um Zigaretten zu kaufen – hat glaube ich auch nicht geklappt. Diese Marina ist sehr abgelegen.

Na ja – früh raus wollten wir ja auch. Ich hatte mir den Wecker auf 5:00 gestellt. Aber erst kurz vor 6:00 kam Leben in das Nachbarschiff. So ließ ich unsere Mannschaft auch länger schlafen. Kurz vor 6 habe ich dann Wasser für Kaffee und Tee aufgesetzt. Und 6:20 sind wir dann beide raus. Frühstück auf See. Musste auch so sein; einerseits sollte der Strom uns nach Hause helfen, anderseits ist es ohne die nötige Tide zu flach vor Vlissingen.

Der Strom hat uns dann auch netter Weise mit bis zu 2kn geholfen. War ja wohl auch das mindeste, was man erwarten kann, wenn der Wind schon komplett einschläft.

Dafür war es ein gemütlicher Bummeltörn: Motor läuft, schiebt mit 5,6kn durchs Wasser, Robby Tobby Fliewatüt (der Autopilot – jeder Autopilot hat einen Namen) machte die Sklavenarbeit und wir konnten teils dösen, teils schauen.

Für mich als vielfachen Besucher von Zeeland war es was ganz Neues, mal die vertrauten Orte wie Zoutelande, Westkapelle, Domburg und andere Stadtchen mal von der Seeseite zu sehen.

Roompot

Ganz haben wir es nicht mehr mit dem Strom geschafft, bevor wir nach Roompot einliefen, aber es war nur kurz gegenan. War ein bisschen komisch, bisher sehr planmäßig alle Wegepunkte abzuhaken, aber als die Schleuse schon zu sehen war, kamen wir nur sehr langsam voran.

Vor der Schleuse hieß es warten. Hunger bei Skipper und anderen: Abstecher in die Frittenbude am Wartesteiger – so einen Service gibt es wohl nur in Holland zumal die Schleuse am Ende der Welt (ok – von Holland) war. Als wir gerade aufgegessen hatten, kam ein Saugbagger rein – wir also schnell aufs Schiff und hinter dem in die Schleuse. Gespanntes Abwarten an allen Festmachern; wie hoch wird es gehen? Gar nicht – die Schleuse schien im reinen „Kosmetik Modus“ zu laufen – „wir machen das immer so, auch wenn eigentlich nicht nötig“. Dafür ging es schnell auf der anderen Seite raus.

Nächster Punkt: die Zeelandbrugg. Eigentlich mit 12.9m Durchfahrt angegeben- würde das passen? Schließlich hat Eberhard eine Warnung in der Naviecke: 13,5m.

Karte sagt, das bezieht sich auf HAT (highest astronomical tide)- da wir deutlich hinter HW waren, sollte es passen, auch ohne die Brücke zu bemühen. Also GAAANZ langsam drunter her – aber nicht mal die Antenne bekam Kontakt.

Zum Dank kam hinter der Brücke Wind auf – der auch recht schnelle gute Werte annahm. Also raumschots mit Rauschefahrt auf den Kanal nach Bruinesse. Das war der Kanal, auf dem Georg auf dem Hinweg ewig kreuzen musste. Für uns diesmal Luxus: schönes Wetter, guter Wind aus raumschots - Rauschefahrt und bald Feierabend.

Bruinesse

Feierabend? Na, das war eine Überraschung: Wenig Verkehr auf dem Kanal, das Skutje vor uns bog in einen anderen Hafen ein. Aber als wir zur Schleuse um die Ecke kamen (die Wende hatten wir gleichzeitig zum Segelbergen benutzt) da lag eine richtige Armada vor der Schleuse – und die ging gleich auf. Also erst mal Hebel auf den Tisch und hinter den anderen her.

Es zeigt sich, warum die Niederländer „Scouts“  an den Schleusen einsetzen. Die koordinieren das Chaos; 3 bis 4 Schiffe nebeneinander, viele hintereinander – gut da kann nichts mehr vertreiben.

Links zauderte ein alter Niederländer – die Frauen an Bord waren etwas überfordert (‚wo will der Skipper nun eigentlich hin??? Schaut mich nicht an, ich erahne es auch nicht‘ – ich denke, der Skipper konnte sich nicht entscheiden). Rechts von uns dafür ein flotter Niederländer, der nur den Gang raus nimmt und sich sofort zu uns umdreht, um unsere Leine entgegen zu nehmen – super nett und entspannt.

Dann noch 10min. warten, bis Der zur Linken überredet ist, sein Dinghi auch noch aus dem Schleusentor zu holen. Wie lange der wohl ohne das zum Teil massive Zureden der Scouts gebraucht hätte. Dann geht die Schleusung endlich los – mind. 2cm!!!

Herkingen

Nun gab es kein Halten mehr – der Skipper durfte (endlich) die gesammelten Fahnen auf Steuerbord aufhängen. Die Anderen wollen unbedingt noch segeln – also einen kleinen Umweg, um Herkingen unter Segeln anzulaufen. Dazu mussten wir noch zur Einfahrt aufkreuzen. Allerdings, um unter Segeln einzulaufen, wie es 1 bis 2 Boote machten, fehlte uns dann doch der Mut – die Einfahrt ist sehr eng, direkt links und rechts setzt auch die kleine Zeemin auf.

Noch ein letztes Manöver in die heimatliche Box rein – der Nachbar war da und nahm die Leinen an – interessiert über unseren langen Weg. Große Katastrophe zum Schluss: Der Kühlschrank gab keinen einzigen Anleger mehr her (klar, wir konnten in Zeebrugge nicht raus – und waren auch spät da). Also alle erst mal auf ein Bier in das Hafenrestaurant.

Auf dem Weg meldete ich mich noch beim Hafenmeister. Der freute sich, uns zu sehen und erzählte, dass er uns immer auf Marinetraffic beobachtet hatte und beglückwünschte uns. Toll so eine familiäre Begrüßung!

Dann noch eine Überraschung: Eberhard hatte mehr Zeit und war bereits auf dem Weg nach Herkingen. Also dann um 21:00 großes Hallo, als auch noch der Eigner an Bord kam. Zu Essen gab es leider nichts mehr – um 21:00 gehen dort alle ins Bett – aber Eberhard hatte wenigstens „ausreichend“ Flüssignahrung aus Bitburg mitgebracht. So wurde dann unter Deck noch lange gefeiert.

Der Dienstag war dann „Atta- Tag“. Packen, Boot ausräumen, putzen, Segel abschlagen, alle Matratzen hochstellen – das alles war vor der Abreise noch zu tun. Besonders Alexis möchte ich loben, der gearbeitet hatte wie ein Tier.