Südseetörn März 2011

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Reisebericht vom Südseetörn   10. – 24. März 2011
von Eberhard Lohbauer

 

Ziel: Französisch Polynesien , Gesellschafts Inseln, Tahiti , Raiatea

Das Schiff :  „ VAIATEA“ Katamaran Moorings 4000 Bauj. 2008, Zustand „GUT“

Die Crew:   8 incl. Skipper, alle haben Erfahrung mit Blauwassertörns.

Der Skipper: war zwar schon häufiger in den Tropen, aber zum ersten Mal in der Südsee.

Die Route:    geplant war den Inseln des Archipels „ Îles de la Société“ einen Besuch abzustatten.
Zahlungsmittel: CFP (Cental Pacific Franc), eine fest an den Euro gebundene lokale Währung; US-Dollar; Euro

Das Revier:  alle Inseln dieses Archipels sind ringförmig umgeben mit einem Korallenriff (Atoll). Außerhalb des Atolls geht es sofort fast senkrecht nach unten bis auf 2000 – 3000 Meter Tiefe. Durch „Passagen“ kommt man in eine Lagune, hier ist zwischen 0 und 30 Meter Tiefe etwa ein Badewannen-Segelrevier. Die hier zu befahrende Fläche kann bis zu mehreren Kilometern breit sein, allerdings gespickt mit kleinen, scheußlichen Riffs.
Im Allgemeinen ist alles sehr gut betonnt bzw. gekennzeichnet.
In einigen Passagen kann eine schwierige, recht starke Strömung vorherrschen.
Die Insel Raiatea und Taa befinden sich im gleichen Atoll, die anderen besuchten Inseln haben jeweils eigene Atolle.
Navigation:  die erhaltenen Seekarten waren völlig veraltet. Der am Schiff vorhandene Plotter hatte gutes Kartenmaterial geladen und war gut brauchbar.
Mitgebracht haben wir Laptop mit Software von Fugawi und erstklassiges elektronisches Seekartenmaterial von Navionics.

Wetter: Mitte März geht die Regenzeit zu Ende, das heißt es gibt ab und zu noch mal einen Monsunregen. Solche Regenfronten, die häufig auch von einer Böe (max. 7Bft.) begleitet werden, sieht man täglich näher oder weiter an sich vorbeiziehen. So ca. 1-3mal am Tag bekommt man auch was davon ab. Das dauert dann 10 Minuten und dann ist der Spuk vorbei.
Temperaturen: tags ca. 30°, nachts 26°, Wasser 28°
Wind 2- 4Bft, max. 5 (außer Böen)

 

Anreise: Wir starten am 9.3. (ca. 10Uhr) in Frankfurt und fliegen 13 Stunden mit Lufthansa nach Los Angeles.
Obwohl wir nur „Transitreisende“ sind müssen wir die ganzen amerikanischen Einreiseformalitäten über uns ergehen lassen. Nach ein paar Stunden Wartezeit geht es dann weitere 9 Stunden mit „Air Tahiti Nui“ nach Papeete / Tahiti
Die Ankunft ist, obwohl inzwischen seit Frankfurt fast 30 Stunden vergangen sind, noch am gleichen Tag um 23:30Uhr.

Trotz später Stunde werden bei Klängen von einer kleinen Lifeband die Fluggäste  herzlich empfangen. Einreisen können wir hier als EG-Bürger mit unserem Personalausweis. Im Gegensatz zu USA ist alles total locker und schnell.
Wir haben genau gegenüber des Flughafens Zimmer in einem Hotel reserviert.
Am nächsten Morgen, nach einem kleinen französischen Frühstück geht es dann gleich wieder zum Flughafen und wir checken ein zum Flieger nach Raiatea. Mit einer „Twin Otter“ Turboprop sind wir dann auch bald in der Luft. Unterwegs genießen wir schon mal unser kommendes Segelrevier aus der Luft. Nach einer knappen Stunde haben wir das Ziel Raiatea erreicht. Ein kleines Empfangskomite von Sunsail/Moorings begrüßt uns sehr herzlich im Flughafen. Jeder von uns erhält einen, in der Südsee üblichen Blumenkranz. Nach ein paar Fotos geht es dann gleich in die nur 3km entfernte Charter-Basis.
Auch hier haben wir kaum Zeit zum Trödeln, es findet sofort eine Schiffsübergabe statt und anschließend ein Revier-Briefing. Wir erhalten auf Nachfrage ein Nachtsegel-Permit um nach Morrea reisen zu können. Außerdem erhalten wir von Moorings ein lokales Handy zum fleißigen Benutzen (für Wetterabfrage, Restaurantbestellung usw.) mit der Auflage die Gebühren am Ende der Reise zu begleichen…..ein SUPER Service! Hätten wir die Gepräche mit unsern mitgebrachten Handys geführt wäre ein Vielfaches an Kosten auf uns zu gekommen.

1.Tag
Nach rekordverdächtigen 3 Stunden sind wir schon klar zum Auslaufen. Wir verlassen dann auch gleich die Basisstation um zum Hauptort der Insel „Uturoa“ zu fahren um hier die Proviantierung vorzunehmen. Die Alternative, das ganze Zeug mit dem Taxi herbeizuschaffen hätte länger gedauert und wäre teurer gewesen. Der Anleger ist fast genau vor dem Supermarkt.
Nach Einkaufen und Verstauen fahren wir innerhalb des Atolls in den Süden der Insel und legen uns in einer schönen Bucht an eine Boje.

2. Tag
Am nächsten Morgen klingelt um 5:30 Uhr  unser „Diensthandy“, eher zufällig ist der Skipper auf und meldet sich……..TSUNAMI ALARM! Erwartete Wellenhöhe 2-3 meter. 
(11.3. Fukushima!)
„Wir sollen uns an Land begeben und 100 Meter einen Berg hinauf laufen“, Zeit: 1 bis 2 Stunden.
Die Crew wird sofort geweckt und wir beratschlagen kurz….danach die Entscheidung: nicht den Berg rauf, sondern raus aufs offene Meer!
Wir schmeißen die Boje ab und fahren Volldampf Richtung offene See, nach ca. 20 Minuten erreichen wir die Passage und sind draußen.
In einer respektvollen Entfernung zum Atoll setzen wir Segel und kümmern uns um das Frühstück.
Im Funk kommen jetzt laufend Tsunami Warnungen, bis um ca. 15:00Uhr Entwarnung erfolgt.
Gemerkt haben wir von einer Welle nix. Später haben wir in einer lokalen Zeitung gelesen, dass in der Inselgruppe die Auswirkung nur gering war.
Wir hatten die Insel Huaine angesteuert, in dessen Atoll wir auch nach Rücknahme der Warnung eingelaufen sind. Hier besuchen wir zunächst den Hauptort “Fare“ später segeln wir weiter und finden in einer Bucht an der Westseite einen netten Ankerplatz.
Wir beschließen den ursprünglich geplanten Schlag zum 90sm entfernten Moorea nicht durchzuführen.

3. Tag
Wir umsegeln die Insel, erkunden wunderschöne Buchten und machen mehrere Stopps zum Baden und Schnorcheln.
Letzteres hat sich während der gesamten Reise mehrfach täglich wiederholt, so dass es hier nicht mehr extra erwähnt wird. Für die Nacht bleiben wir vor Anker in einer Bucht an der Ostseite der Insel.


4. Tag
Wir verlassen Huaine um wieder nach Raiatea zu segeln, hier begeben wir uns in die Lagune, stoppen kurz zum „Bunkern“ in Uturoa und segeln dann gleich weiter nach „Taa“. Hier finden wir beim Yachtclub eine freie Boje. Hier und an verschiedenen anderen Plätzen, wo Bojen ausgelegt sind kommt niemand um dafür irgendwelche Gebühren einzutreiben. Auch wenn man an diesem Tag nicht Gast im Restaurant sein will.


5. Tag
Wir kreuzen inner- und außerhalb der Lagune von Taa und Raiatea, abends finden wir einen Ankerplatz im türkisfarbenem Wasser im Norden von „Taa“.

6. Tag
Überfahrt nach Bora Bora, der Wind ist heute etwas kräftiger (ca. 5Bft)
Am Nachmittag genießen wir die Bilderbuch Passage in die Lagune von Bora Bora.
Nachts liegen wir an einer Boje vorm Restaurant „Bloody Mary“.


7. Tag
Heute besuchen wir den Hauptort „Vaitape“ von BoraBora, hier Einkaufen, Bank, Souvenirs usw.
Danach Segeln in der Lagune von BoraBora mit seinen traumhaften Plätzen. Abends liegen wir wieder an einer Boje bei Bloody Mary.
Heute haben wir hier reserviert, sind Gäste in diesem berühmten Restaurant…...sehr köstlich und nicht so teuer wie wir veranschlagt hatten.


8. Tag
Wir starten zeitig…… nach einem Stopp beim BoraBora Yacht-Club zum Wasser tanken und einem weiteren Stopp in „Vaitape“ zum HINANO*) bunkern, nehmen wir Kurs zur Insel „Maupiti“.
Eine Insel, die von Langzeitseglern und von Charterern wegen ihrer gefährlichen Passage nicht so häufig besucht wird. „NO RISK, NO FUN“ .
Die Wetterverhältnisse waren sehr moderat, so dass wir es einfach gewagt haben.
Das Schwierige bei der einzigen Passage dieser Insel ist, dass über das Atoll durch die Pazifikwellen ständig Wasser in die Lagune schwappt, welches nur aus dieser einzigen Passage wieder herauslaufen kann. So herrschen da manchmal Strömungen um die 8kn. Wenn dann das eigene Schiff bei max. Motorkraft nur so 7-8 Kn fährt, kann sich jeder ausrechnen wie man dort reinkommt. Hinzu kommt, dass die Passage nur so ca. 30 m breit ist, dies ist bei einer Schiffsbreite von ca. 7 meter weniger als man glaubt.
Der Schweizer Weltumsegler Thomas Fischer (Double Magic) schreibt hierüber:
**)

Am späten Nachmittag des folgendes Tages stehen wir vor dem Pass Onoiau. Er ist laut Seekarte 600 Meter lang und 30 Meter breit. Das Wasser kocht, tückische Wirbel auf der Wasseroberfläche verheißen nichts Gutes. Wir nehmen allen Mut zusammen und fahren unter Motor in den Pass ein. Mein Mitsegler Jürgen steht auf dem Vordeck und gibt mir Handsignale, wie ich manövrieren muss. Links und rechts strecken Korallenköpfe ihre drohenden Finger nach der Double Magic aus. Bei sechs Knoten Gegenstrom fahren wir mit zwei Knoten über Grund Richtung Lagune, beide Motoren laufen auf vollen Touren. Die Double Magic wird wie von einer unsichtbaren eisernen Faust brutal geschüttelt und droht ständig, nach links und rechts auszubrechen. Durch schnelle Korrekturen des Steuers versuche ich, die Double Magic in der Mitte des Fahrwassers zu halten. Nach einigen Minuten höchster Anspannung und sich schnell folgenden Adrenalinschüben ist der Spuk vorbei, das Wasser ist plötzlich spiegelglatt und wir gleiten ruhig in die in allen Blau- und Grüntönen schillernde Lagune von Maupiti hinein.  
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Ganz so dramatisch war es bei uns zwar nicht, aber doch recht eindrucksvoll. Sehr wichtig war, dass außer der üblichen Augapfelnavigation, ein Crewmitglied am GPS/Laptop die Fahrt verfolgte und ständig Anweisungen der besten Fahrrinne an den Skipper gab.
Vor dem Hauptort Pauma legen wir uns vor Anker.

9. Tag
Am nächsten Morgen ist Insel erkunden angesagt, per Pedes gehen einige Crewmitglieder auf der Uferstrasse um die Insel (ca. 10km). Auffallend sind relativ viele Kirchen, die 1000 Inselbewohner spalten sich in ca. 6 verschiedene Kirchen/Sekten auf.
Nachmittags gibt es noch einen zweiten Spaziergang über das Korallenriff, dies ist an einigen Stellen etwas höher als der Meerespegel. Da hat sich dann Humus gebildet und darauf wachsen prächtige Palmen.
Auf einer weiteren Riff-Insel befindet sich auch der Flugplatz von Maupiti.
Am Abend gehen wir in Pauma, in der Hafenkneipe lecker essen.


10.Tag
Am diesem Tag nehmen wir wieder Kurs auf Bora Bora, heute haben wir mal einen richtig starken Tropenregen, es schüttet wie aus Kübeln. Kurze Zeit später scheint wieder die Sonne, so als ob nichts gewesen wäre.
In der Lagune, aber dieses mal nicht bei BloodyMary finden wir einen Ankerplatz. Am Abend wird der Bordgrill angeworfen.

11. Tag
Wir nehmen heute Kurs auf Taa, das Wetter ist heute etwas schlechter, es regnet mal länger als 10 Min. Dafür gibt es mehr Wind. Bei halben Wind läuft unser Gefährt recht gut, wir kommen zeitweise knapp an die 10kn Marke.
An der Ostküste von Taa, in einem langen Fjord wollen wir ein Restaurant besuchen und steuern dieses Ziel fröhlich an. Bei Ankunft müssen wir feststellen, dass das Restaurant geschlossen ist…. wir hätten ja auch vorher anrufen können.
Wir fahren wieder zurück an eine Boje beim Taa Yacht Club und gehen hier essen.


12. Tag
Wir segeln innerhalb und Außerhalb der Lagunen von Raiatea und Taa. Abends besuchen wir noch mal die Bucht, aus der wir wegen des Tsunamis am 2. Tag rausgescheucht wurden.Wir machen einen Dingy-Ausflug bis an das Ende des Fjords und fahren noch ca. 1 Meile In einer Flussmündung stromaufwärts (ohne nennenswerte Strömung). Ein schönes Naturerlebnis.
Anschließend segeln wir wieder zum Yachtclub nach Taa, heute ist hier „Folkloreabend“ angesagt. Eine Gruppe von Insulanern macht rhythmische Südseemusik und führt Tänze auf. Einige Zuschauer werden unter Gejohle der anderen Gäste in die Vorführung mit einbezogen und müssen den Tanzbären machen ( Anmerkung der Redaktion* wer hier wohl gemeint ist?? Es existieren übrigens Beweisfotos von dem uns allen bekannten Tanzbären ;o)).


13. Tag
Wir machen uns noch mal einen schönen Segeltag, umrunden die Südseite von Raiatea, natürlich wieder mit den gewohnten Badepausen. Am Abend haben wir dann Schwierigkeiten einen Ankerplatz zu finden. Wir wollten gleich hinter dem Atoll einen ruhigen Ankerplatz nehmen.
Der Grund der Lagune ging aber hier von 30m Tiefe in kürzester Distanz auf 1,50m, da hatten wir dann mehrmalige leichte Grundberührung. Es war am Katamaran aber keine Beschädigung festzustellen (das Schiff wurde am Ende der Reise abgetaucht). Wir sind dann noch schnell bei letztem Büchsenlicht zum Yachthafen Raiatea Marine gefahren, um hier vor dem Hafen noch eine Boje zu ergattern.


14.Tag
Am nächsten Morgen fahren wir wieder zurück zum Sunsail/Moorings Stützpunkt und machen um Punkt 10:00 Uhr (unserem genauen Rückgabetermin) am Steg fest.

Das Schiff wird sofort abgetaucht, alles Weitere geht rasend schnell………. Frage: Hat was nicht funktioniert? Ist was kaputt? Fehlt was vom Inventar? Die Fragen werden nicht etwa gestellt, um für irgendwelche Beschädigungen oder Verluste was zu bezahlen, sonden nur um das Schiff für einen nachfolgenden Gast wieder fit zu machen.
Wir erhalten die Kaution zurück und bezahlen noch 3 Euro für mehrere Telefongespräche, Treibstoff brauchen wir nicht zu bezahlen....ist inclusive!
Wir können noch bis zur Abfahrt des Taxis an Bord bleiben. Jeder bekommt noch zum Abschied einen Kranz aus Muscheln umgehängt.

Wir fliegen um ca. 16:00 Uhr mit dem Inselhüpfer nach Tahiti, hier können wir unser Gepäck deponieren und statten anschließend der Hautstadt Papeete noch einen Besuch ab. Die Wege der Crew trennen sich hier, drei von uns bleiben noch einige Zeit länger auf den Inseln um sich die noch nicht besuchten Inseln mehr von der Landseite aus anzusehen. Der Rest macht sich gegen Mitternacht auf die lange Heimreise. Nach der etwa gleichen Reisezeit wie auf der Hinreise (dieses mal aber 2 Tage später) erreichen wir wieder Frankfurt.


Fazit:

Das Segelrevier ist wunderschön und lädt zum Wiederholen ein.
Die lange Anreise stellt auch eingefleischte Gern-und Vielflieger auf die Probe, außerdem ist das Ziel nicht mit einem „Billigflieger“ erreichbar. (incl. Inselhüpfer muss man alleine für die Flüge mit ca. 2000€ rechnen)
Es ist sehr hilfreich wenn mindestens ein Crewmitglied französisch spricht.
Der Charter-Zeitpunkt Mitte März ist gut gewählt wenn man etwas aufs Geld schauen muss. Ab dem 25. März begann die Hauptsaison, die Schiffe werden dann erheblich teurer.
Außer den höheren (als gewohnten) Einkaufspreisen für Lebensmittel und Getränke findet keine Abzocke für Liegekosten, Gebühren usw. statt.
Die Reise hat für ein Crewmitglied (alles zusammen gerechnet) ca. 3500,-€ gekostet.


*)

Das lokale Bier von Tahiti "HINANO" ist klasse!

 

**)

http://www.doublemagic.ch/toernarchiv.asp?action=select&newsNO=36362&id=1352&ut=216967#ut216967