Segelbericht Schweden 2016

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Generell:

Also, wer schon mal mit der Jolle durch Friesland gefahren ist, der kennt die Herausforderungen:

·         Viel Verkehr, darauf aufpassen

·         Viele Kursänderungen - aufpassen, wo man ist, wo abbiegen

·         Große Schiffe - aufpassen

·         Fähren - doppelt aufpassen (die sind sau schnell)

·         Untiefen - aufpassen.

·         Welche Insel ist welche? – aufpassen

 

Viele sagen, Plotter mit GPS macht das - aber der hat uns öfters im Stich gelassen. Auch darf man sich durchaus mal der alten Tugenden mit Karte, Kompass und Fernglas erinnern und ermächtigen.

Man merkt schnell, dass es nicht ganz einfach ist, wenn Inseln nah beieinander liegen. Da meint man eine Bucht zu sehen, ist aber keine in der Karte - oder interpretiere ich den Maßstab falsch? Nein, die Bucht geht um die Ecke, das vermeintlich rechte Ufer ist das Linke der anderen Insel.

 

Ich will damit nicht sagen, es geht um Kopf und Kragen, aber wenn man falsch abbiegt, kann man nach 10 - 20sm auf einmal in einer netten ruhigen Bucht liegen, statt wie geplant in die etwas weiter liegende Stadt einzulaufen. Dann darf man also wieder zurück und damit den falschen Weg noch 2 mal zurücklegen. Möchte da an Kroatien und die Bucht der hochroten Kapitäne (Karl Vettermann oder "Barawitzka segelt nach Malta") erinnern.

 

Eigentlich müssen ständig 2 Personen im Einsatz sein:

·         Einer der am Ruder steht und auf den Verkehr achtet (trotzdem - bei unserem großen Schiff gerne Autopilot) und dafür von links nach rechts turnt,

·         Einer der navigatorisch auf der Reihe hält, wo man ist, an welchem Merkmal man den nächsten Abbieger macht

 

Die Schweden lieben Boote - aber es scheint manchmal sie lieben sie nur, wenn sie >> 20kn fahren - und das fahren fast alle. Mein Eindruck: Vor der Taufe erst mal zum Motorentuner.

Aber zumindest fahren sie nicht extra dicht an anderen Booten vorbei um die zu schaukeln. Das kenne ich aus anderen Ländern schlimmer – also nett, die Schweden.

Außerdem ist mein Eindruck, dass die Schweden Bootsformen bevorzugen, die gut laufen aber nicht unbedingt große Wellen machen müssen (wäre ja weniger effektiv + schnell).

Nur sehr selten sahen wir mal so ein amerikanisch anmutendes Schellboot a la Miami Vice.

 

Karten:

Wir hatten auf dem Schiff an Papierkarten nur wenig aus der näheren Umgebung. Das scheint so üblich - alle gehen nach dem Plotter. Allerdings bin ich einer, der zumindest die grobe Planung auf Papier macht. Auch habe ich gerne die aktuelle Karte auf dem Tisch, um darauf in etwa mit zu plotten - sollte mal die Elektrik streiken (wie auf unserem Schiff häufiger).

Ich hatte zusätzlich die neuesten Delius Klasing Karten gekauft und genutzt. Leider sind diese etwas unhandlich: es sind viele Karten - müssen es sein, damit der nötige Detailgrad dargestellt wird - und Übersegler sind zu knapp, um damit die grobe Fahrt zu planen. Da habe ich zu Hause auch noch Google Earth genutzt.

 

Eine Besonderheit sollte angemerkt sein: Große Teile der Küste sind NICHT vermessen - die Karten sind dort von unbekannter Qualität - es wird ausdrücklich abgeraten, dort durch zu fahren. Man sollte sich zur Sicherheit auf den Schifffahrtswegen bewegen.

 

 

Orientierung:

Dort im Osten sind die Fahrwasser eigentlich sehr gut betonnt. Nicht reichlich, aber wo es sein muss mit großen Tonnen (nicht die "niedlichen" Besen vor den westlichen Schären), die gut zu erkennen sind.

 

Tiefen und Höhen (Brücken) haben wir immer so angetroffen.

Außer: eine - sehr beliebte - Durchfahrt durch Lännerstasundet sah zu Hause sehr bescheiden aus - ein Teil sollte 2m tief sein. Aber es war deutlich mehr, selbst größere Schiffe als unseres  (2m Tiefgang) fuhren sorglos dort durch.

 

Man sollte mit einem größeren Schiff genau auf die Brücken schauen - manche machen nicht so häufig auf. Uns traf es noch härter - aufgrund eines Unfalls auf einer Autobahnbrücke öffnete die innerstädtische Brücke in Södertälje nur 2 mal am Tag!

 

Schleusen:

Ja, direkt in Stockholm gibt es z.B. eine. Man muss sie mit Kreditkarte zahlen - Geld nimmt man nicht.

 

Tide:

Gibt es eigentlich nicht in der Ostsee. Man sollte aber das SMHI konsultieren, wenn es knapp wird: Es gibt jahreszeitlich und nach Wetterlage unterschiedliche Wasserstände. Das geht so weit ich mich erinnere von +0,5m bis -2m. Bei uns war es die ganze Zeit -0,25m. Das haben wir nicht mehr berücksichtigt – wir kalkulierten mit mehr Sicherheit.

 

Ankern, anlegen:

Wir waren etwas verwöhnt und haben oft im Hafen gelegen. Es gab für uns keinen Anleger im Gelände. Aber das Schiff hatte selbstverständlich mehrere Felsanker und einen Hammer als Bedienung dafür.

Quasi jedes nordische Schiff hat einen Heckanker fest installiert. Wenn nix geht – wenigstens eine Bütt am Heck, wo Anker und Leine drin liegen. Meist mit Ankerwinsch unter Deck.

In den Häfen wird manchmal wie in Deutschland an Dalben angelegt (hatten wir im Heimathafen). Sehr oft werden bei der Anfahrt auf den Platz (Heck-) Anker geworfen, dann vorn angelegt und dann den Anker durchgesetzt. Deutsche brauchen da etwas Eingewöhnung: Selten ist für den Anker mehr als 2 Schiffslängen Platz – aber in dem im Hafen üblichen Schlick halten die üblichen Bruce Anker doch recht gut. Wir hatten jedenfalls keine Probleme.

 

Probleme gab es aber in Utö am Sonntagmorgen (nach Midsommar): Der Hafen so was von voll – man hätte die Heckanker kaum sauber legen können, wenn das Wasser super klar gewesen wäre – in der Brühe hat dann jeder nach Gutdünken den „Haken“ geworfen. Das führt zwangsläufig zu Leinensalat. Eventuell auch dank der Vorgeschichte in der Disko hatten die Skipper dann mehr Probleme das zu entwirren – mehrfach sogar mit Ankerleine in der Schraube.

 

Was häufiger ist als Dalben, fast noch häufiger als ankern, ist dass in den Häfen Bojen vor den Liegeplätzen liegen. Die sind anders als bei uns: relativ groß, eine starke Stange durch, die unten festgemacht ist und oben ca, 1,5m über die Wasseroberfläche aufsteigt und immer in einem stabilen Ring endet. Die Schweden haben dann einen Festmacher am Ende mit Stange und Haken. Damit fahren sie in die „Box“ angeln mit der Stange die Boje (oftmals 2), lassen diesen Festmacher lang und fahren an den Steg. Sind dort die Leinen kurz und endgültig festgemacht, wird der / die hinteren Festmacher durchgesetzt. Wir hatten diese Stange leider nicht – es war doch viel Fummelei, da ran zu fahren, den Festmacher durchfädeln und dann noch an den Steg zu fahren ohne zu vertreiben.

Diese Bojen werden auch vermehrt in Buchten ausgelegt, um die Unterwasserwelt zu schützen.

Der letzte Schrei in den Schären: Moorings!
Als wir in Grindä ankamen, empfing uns ein großes Schild: Ankern verboten. An den Stegen lagen Moorings aus. Hat man uns erst nicht zugetraut, aber mir als alter Mittelmeer Segler kam das sehr vertraut vor.

Vielfach wird geankert – auf den kleineren Wassertiefen in den Buchten alles ganz leicht.

Wichtige Webseiten:

 

www.sjofartsverket.se

Die offizielle schwedische Seite der Swedish Maritime Administration (SMA). Dort haben wir (auch auf englisch) die aktuellen NtM bekommen - wo wir fanden, dass die wichtige Brücke nur 2 mal täglich aufmacht).

 

www.smhi.se

Das schwedische hydrographische Institiut. Weitere nautische Informationen.

 

www.yr.no

 

Wetter Seite aus Norwegen (ja, richtig gelesen) - die hatte immer verlässliche örtliche Wetterberichte für uns.