Segelbericht Schweden 2016

Stockholm (die Stadt)

Bei Stockholm - vielleicht sogar größeren Teilen des östlichen Schweden ist es gar nicht einfach zu definieren, ob man auf einer Insel oder dem Festland ist. Viele Inseln sind doch sehr groß. Sie sind meist mehrfach mit Brücken angebunden. Aber auch Fähren (teils Auto, mehr Personen) sind in großer Zahl unterwegs.

 

Erst mal die Umgebung erkundet - wir waren ja erst mal auf Södermalm, einem alten Stadtteil, der aber eher Industrie, Handwerk und arme Leute beheimatet hatte.

 

Wer meint, Stockholm liegt am Wasser - dass kann ja nicht so schlimm sein - überall gab es viel zu klettern. Die ganze Gegend besteht überwiegend aus reichlich Granit - und der türmt sich schnell mal 50 oder mehr Meter hoch.

 

Also - erst mal um Södermalm gelaufen. Die Ausblicke auf die Wasserstraßen sind grandios. Ob des Anstiegs schnaufend kann man da von einem Eiskaffee im Park auf eine Aida RUNTER schauen.

 

Für mich auch toll: Es gibt da ein vegetarisches Lokal "Hermans", von einer Kooperative betrieben. Es gibt alles außer Speisekarte - halt immer Buffet. Schade, dass man nicht noch mehr essen kann. Auch das hausgemachte naturtrübe Bier darf erwähnt werden. Wenn man geht, über dem Ausgang der Spruch "Walk in Peas".

 

Anderer Tag, Gamla Stan. Das ist der älteste Teil von Stockholm, überwiegend im frühen 16. Jahrhundert begonnen. Wer bei Mittelalter an unsere alten Städte wie Kölner Altstadt, Nürnberg, oder anderes denkt, muss umdenken. Die haben damals schon größer gebaut. Die engsten Gassen wären immer noch mit einen Fuhrwerk gangbar gewesen, die großen Straßen mit mehreren. Alle Häuser aus Stein, durchschnittlich 5 - 6 Stockwerke hoch. Da ist dann das repräsentative königliche Schloss nicht groß anders. Es sticht halt durch die erhöhte Lage hervor.

 

Von wegen "das Schloss" - es gibt davon noch viele, prächtige Barockbauten. Die weitere Familie wollte ja auch standesgemäß unter kommen.

 

 

Skansen:

Einen Tag haben wir für das Freilichtmuseum reserviert. War aber eigentlich zu knapp. Wer bei uns eines der rheinischen Freilichtmuseen kennt - nehmt dass bitte mal 5, dann kommt die Fläche + Gebäude dort hin. Die Häuser sind ganz detailliert ausgestattet. Angestellte in passenden Trachten erklären liebevoll und engagiert jedes Detail.

 

Für mich war es dann recht erstaunlich: Ein Dorf mit prächtigen Häusern, innen toll ausgemalt, reichlich Platz - um 1800. Dann ein Dorf weiter (aus dem nördlichen Schweden) - gleiche Zeit, machte aber auch mich eher den Eindruck des frühen Mittelalters.

 

 

Vasa Museum:

Eigentlich ein unumschränktes MUSS für Segler. Ich darf mich glücklich schätzen, auch in den Niederlanden die Batavia besucht zu haben - die Ähnlichkeiten sind sehr groß. Kein Wunder, war der Konstrukteur der Vasa ja Niederländer (aber leider nicht nur der - der König hatte noch andere Herren eingebunden - was dazu führte, dass an der Katastrophe niemand schuld war).

Man macht sich sehr viel Mühe, die alte Masse zu zeigen, hat auf der anderen Seite aber sehr mit deren Verfall zu kämpfen. Was nicht so eingängig zu sehen ist, wird mit Modellen und geschickten Multimedia Darstellungen ergänzt. Einfach toll. Es gibt regelmäßige Führungen in verschiedenen Sprachen. Die junge Frau, die auf deutsch führte war Schwedin, aber ein nahezu akzentfreies Deutsch.

 

Noch mal am Rande: Die Vasa lief zur Jungfernfahrt aus - kam ca. 500m weit und kenterte. Die Umgebung hatten wir uns zuvor von Hermans aus angesehen. Mich wunderte nur, wie sie auf der kurzen Strecke schon Segel gesetzt hatten.

 

Schade, dass alle nur von der Vasa reden. Ich liebe Freilichtmuseen. Vor dem Museum liegt noch der Museumshafen.

Darin kann man DEN Stockholmer Eisbrecher besuchen und ein altes Feuerschiff. Darauf sind ehemalige Fahrensleute, die alle Details sehr fachgerecht erklären können. Michael und ich kamen da kaum wieder raus.

Man bekommt einen Eindruck, wie menschenverachtend in früheren Zeiten gehandelt wurde.

z.B. waren darin 4 Kessel, die befeuert werden mussten - jeder Heizer musste dort pro Stunde 1 Tonne Kohle rein schaufeln- soweit ich mich erinnere in 8h Schichten. Die Brücke war die meiste Zeit der Dienstzeit wirklich eine Brücke - offen. Nur links und rechts kleine Wände, um etwas Schutz vor dem Wind zu haben. Der Steuermann, die Bedienung der Telegrafen, der Wachhabende - alle standen voll im Wetter. Der Stadt war es lange zu teuer, dort ein Brückenhaus zu bauen.

Alte Bilder zeigen den Kapitän und Rudergänger auf Wache: Die hatten mehrere Schichten Pelz übereinander - außen volle Eisschicht.

Es gab bei der Stadt einen dauerhaft Angestellten: Den Maschinisten. Alle andere Besatzung waren quasi Tagelöhner, die angeheuert wurden, wenn es die Eislage erforderte.

 

 

Am Ende der Reise sind wir noch zum Funkturm gelaufen. Ich hatte noch um eine Strecke Straßenbahn gebettelt - aber da wir noch an dem "Offshore Regatta" Hafen (nur dafür angelegt - sonst nur Park mit Uferpromenade) vorbei wollten, wurde alles zu Fuß gelaufen (> 20km).

Dabei erkennt man wie schön es dort ist - es gibt hohe Steinhaufen (Häuser), aber dazwischen immer wieder Parks und andere Grünanlagen - hoffe, die vielen Wasserwege habe ich inzwischen ausreichend erwähnt).

 

Der Ausblick von dort oben war herrlich - ist den Weg wert.  Aber, was den Weg noch viel wertiger macht ist, dass dort noch alte Herrenhäuser und Parks liegen, die jeder für sich einen Besuch wert sind.

 

 

Wir hatten immer schönes Wetter. Was die Stadt auch sehr sympathisch macht, sind die vielen jungen Leute, die das Leben genießen. Wie schon beschrieben: Södermalm am Freitag Abend - da kann man kaum umfallen.

Aber, egal welcher Abend - viele nehmen am Feierabend einfach einen Korb und eine Decke. Damit ab an einen der vielen schönen Aussichtspunkte (viele sind Wiesen) - und ein Picknick in der Abendsonne.

 

Nach einer Woche machten wir die Karawane nach Lindigö - etwas über eine Stunde Fahrt aus der Stadt auf die nächste Insel. Nur einmal umsteigen - und die Straßenbahn endete 10m entfernt vom Gebäude des Vercharterers.

 

Neben dem Vercharterer direkt der Yachtclub mit einem großen Lokal - prima für die Wartezeit, bis das Schiff klar war.

 

Der Einkauf war da etwas komplizierter. Wir mussten 1 Station mit der Straßenbahn fahren.

 

"Entwickler" hatte an einem klitzekleinen verschlafenen Häfchen eine Gruppe von besseren Mehrfamilienhäusern gebaut. Dazu den Yachtclub. Das passte zum Hafen nicht - also wurde der Hafen auch noch vervielfacht (aus vielleicht 50m Steghänge wurden fast 1000m). 

 

Was für uns dabei ärgerlich war: Die Sanitärräume waren noch für den kleinen Hafen ausgelegt (je eine Dusche Frauen / Männer). Und wir waren echte 12 Minuten zu Fuß von dem Haus weg. Aber, wir wollten ja nicht da bleiben. Außerdem wurde versprochen, dass der Ausbau noch nicht fertig sei - an adäquaten Sanitärräumen wird noch geplant.

 

 

 

Die Übergabe des Schiffes war problemlos. Leider stellte sich heraus, dass der Plotter so seine Eigenheiten hatte, die Papierkarten reichten nicht sehr weit - aber ich hatte zum Glück eigene dabei.